Der Bike-Trend 2026
Wohin führt die MTB-Saison
Mountainbiken im Alpenraum stellt besondere Anforderungen an Mensch und Material: steile Anstiege, technische Trails und lange Tage im Sattel verlangen nach durchdachten Konzepten und zuverlässiger Technik. Wie Hersteller darauf reagieren und welche Rolle Stabilität, Systemintegration und Vielseitigkeit dabei spielen, erläutert Andreas Banse im Gespräch. Banse ist Produktmanager im Hause Conway und gibt Einblicke in die Leitgedanken der neuen Saison, aktuelle Entwicklungen sowie in die Frage, wie moderne Bikes den Herausforderungen alpiner Einsatzbereiche gerecht werden.
Autor: Benni Häfner
Hallo Andreas. Mit welchem Leitgedanken ist Conway in die neue Bikesaison gestartet – und wo zeigt sich dieser besonders deutlich in den aktuellen Modellen?
Wenn man den Leitgedanken auf ein Wort herunterbrechen müsste, wäre es ganz klar „Stabilität“. Wir hatten zuvor ein sehr rundes, stimmiges Programm aufgestellt, das wir unbedingt beibehalten wollten – und an einigen Punkten gezielt weiter geschärft haben. Gerade in wirtschaftlich wechselhaften Zeiten ist Stabilität etwas, auf das man sich gern verlässt. Konkret bedeutet das: Produkte mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis, hoher Wertigkeit und Qualität, die Vertrauen in die Marke schaffen. Zeitlos im Design, dennoch mit Geschmack bei Farben und Formensprache. Und mit Spezifikationen, die auch in zwei bis drei Jahren noch reibungslos funktionieren.
Welche Rückmeldungen aus der vergangenen Saison hat eure Entwicklung der neuen Bikes am stärksten beeinflusst?
Wir hören sehr genau auf das Feedback aus dem Fachhandel und von den Endkundinnen und Endkunden. Anhand dieser Rückmeldungen passen wir unser Portfolio und unsere Entwicklungen kontinuierlich an. Gleichzeitig entwickeln wir aber auch proaktiv mit Blick auf die nahe Zukunft komplett neue Produkte, zum Beispiel die neue CAIRON SUV FS Linie. Hier hatten wir bereits eines der besten Räder auf dem Markt, und mit der neuen Plattform knüpfen wir wieder genau dort an – mit mehr Möglichkeiten, aktuellem Design und einem zukunftsfähigen Rahmen. Dieses Vorgehen erzeugt dann natürlich auch wieder sehr starkes Feedback aus dem Handel.
Gibt es technische Entscheidungen, die bewusst gegen den Mainstream getroffen wurden?
Jaein – wobei das negativer klingt, als es gemeint ist. Ein gutes Beispiel ist unsere XYRON-Familie. Hier decken wir für die Hauptnutzergruppe alles ab: entnehmbarer Akku, 150 und 170 mm Federweg, Carbon- und Aluminiumrahmen. Zusätzlich haben wir das Line-up aber erweitert – um ein 160-mm-Alu-Fully mit voll integriertem, fest verbautem Akku. Für uns eine Premiere. Der Hintergrund: Wir haben Auswertungen von BOSCH analysiert, intensiv mit Händlern und Endkunden gesprochen und daraus Zielgruppe und Produkt definiert. Auf den ersten Blick ist das eine kleinere Zielgruppe, im Gesamtbild – Preis, Leistung, Einfachheit des Produkts – wird sie aber deutlich größer. Wer das Bike einmal live gesehen und gefahren ist, dem bleiben eigentlich kaum Argumente dagegen. Ein leichtes E-MTB-Fully, sehr hochwertig, preislich attraktiv, mit vollem BOSCH-System, 600-Wh-Akku und 160 mm Federweg. Sorgenfrei, nahezu lautlos unterwegs, optisch extrem clean und mit beeindruckend schlanker Silhouette.
Wie reagiert Conway auf die zunehmende Vielfalt an Einsatzzwecken – vom alpinen Trail bis zum Alltagseinsatz?
Als Vollsortimenter haben wir für jeden Einsatzbereich das passende Bike und E-Bike im Programm. Beim perfekten Setup kommt dann unser starkes Fachhandelsnetzwerk ins Spiel. Hier werden die Räder individuell auf die Endkundinnen und Endkunden angepasst – gewissermaßen die letzte Meile, auf der das Produkt wirklich rund gemacht wird. Durch dieses enge Netzwerk und den direkten Austausch mit den Kundinnen und Kunden sind wir sehr nah am Markt und erkennen früh, wohin sich die Anforderungen entwickeln.
Der Alpenraum stellt besondere Anforderungen an Material, Technik und Geometrie. Welche spezifischen Anpassungen nehmt ihr dafür vor?
Unabhängig vom Alpenraum legen wir schon immer großen Wert auf spezifische Anpassungen – vor allem abhängig von der Rahmengröße. Mit variierenden Lenkerbreiten, Vorbaulängen, Sattelbreiten und teilweise sogar unterschiedlichen Griffdurchmessern richten wir unsere Räder konsequent an den Bedürfnissen der Fahrerinnen und Fahrer aus, egal ob im Alpenraum oder im Flachland. Wer in den Bergen unterwegs ist, bringt von Haus aus höhere Ansprüche an das Material mit, etwa bei Federungsperformance, Grip oder Bremsleistung. Entsprechend achten wir an den relevanten Preispunkten auf passende Komponenten: dickere Bremsscheiben, Vierkolbenbremsen vorne und hinten, bessere Kartuschen und Gabeln. Auch bei den Reifen suchen wir stets den bestmöglichen Kompromiss aus Gewicht und Grip.
Andreas Banse
Senior Produktmanager bei CONWAY Bikes
Wo lagen bei den aktuellen Modellen die größten Entwicklungsherausforderungen?
Die größten Herausforderungen lagen ganz klar im Bereich der SUV-Linien. Auch wenn man es vielleicht nicht vermutet, ist das eine echte Königsklasse der Entwicklung. Hier müssen viele Anforderungen in einem Produkt vereint werden: ein tiefer, gut nutzbarer Einstieg, eine große Batterie, agiles und leichtes Handling sowie hohe Funktionalität. Gleichzeitig müssen diese Bikes Anhänger- und Kindersitzfreigaben erhalten. Das ist an sich schon komplex. Daraus dann eines der – wenn nicht sogar das – schönsten vollgefederten Tiefeinsteiger-E-Fullys zu entwickeln, ist definitiv ein Meilenstein. Schon der Vorgänger war sehr gelungen, aber hier haben wir noch einmal deutlich einen draufgelegt.
Welche Rolle spielen neue Standards und Komponenten in der diesjährigen Modellpalette – und wohin geht der Trend?
Neue Standards muss man immer im Blick behalten, gerade in der Entwicklung. Entscheidend ist für uns aber, was tatsächlich einen Mehrwert für die Nutzerinnen und Nutzer bietet. Spannend sind dabei Themen wie Autoshift, etwa bei den SUVs oder beim XYRON ST 10.0. Der Trend geht ganz klar in Richtung stärkerer Systemintegration und eines noch unkomplizierteren Fahrerlebnisses – und das wird sich in den kommenden Jahren sicher weiter verstärken.
Wie haben sich Themen wie Nachhaltigkeit, Servicefreundlichkeit und Ersatzteilverfügbarkeit in der Produktplanung niedergeschlagen?
Servicefreundlichkeit war für uns schon immer ein wichtiges Thema. Gleichzeitig gibt es hier oft einen Spagat zur Systemintegration, der nicht immer leicht zu meistern ist. Wir achten deshalb sehr genau auf den jeweiligen Preispunkt. Bei günstigeren Rädern würde eine vollständige Integration im Servicefall zu unverhältnismäßig hohen Kosten führen, deshalb verzichten wir dort bewusst auf besonders aufwändige Kabelführungen. In höheren Preisklassen erwarten Kundinnen und Kunden hingegen ein aufgeräumtes, ästhetisches Bike – dem tragen wir dann auch Rechnung. Beim Thema Ersatzteile profitieren wir stark von unserer Zugehörigkeit zur inhabergeführten Hermann Hartje KG. Mit großen Lagerflächen – aktuell über 1,6 Millionen Artikel im Programm – und einem starken Serviceteam ist die Versorgung langfristig gesichert. Zudem profitieren wir von eigener Montage und einem klaren Nachhaltigkeitsansatz: eigene Biogasanlage, große Solaranlagen auf Lager- und Montagehallen, energieeffiziente Flächenheizungen. Wir recyceln Verpackungen, verwenden Tüten aus recyceltem Plastik und Papierklebeband. Das mag nach Kleinigkeiten klingen, summiert sich bei der logistischen Größe der Hermann Hartje KG aber erheblich.
Was dürfen ambitionierte Bikerinnen und Biker im Alpenraum in dieser Saison von Conway erwarten – und worauf freut ihr euch selbst am meisten?
Unsere Produktentwicklung orientiert sich konsequent an den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer – wir wollen wirklich alle abholen. Für den Alpenraum sind das ganz klar zwei Highlights: das neue Gravelbike NYVO und das XYRON S. Zum einen ein extrem schickes, pfeilschnelles Gravelbike für lange Touren, zum anderen ein E-MTB mit fest verbautem Akku, 160 mm Federweg, voller Power bei 600 Wh und reduziertem Gewicht – perfekt für alpine Trails. Diese Bikes sollte man sich unbedingt genauer anschauen.
Welche Entwicklungen im Bikebereich würdest du als Produktmanager gerne vorantreiben?
Eigentlich ist das ganz einfach: Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen fürs Radfahren zu begeistern – egal ob für sportliche Abenteuer oder den Alltag. Dafür entwickeln wir unsere Bikes. Aktuell haben wir einen sehr ausgewogenen Produktmix, den wir auch 2027 beibehalten wollen. Zwei bis drei spannende Projekte befinden sich außerdem bereits in der Entwicklungs-Pipeline – da darf man definitiv gespannt sein.
Vielen Dank und auf eine schöne Bike-Saison 2026!









