Für Körper & Geist
Wie man am besten in die neue Saison startet
Mit langen Touren und hohen Gipfeln steht uns wieder ein Sommer großer Ziele bevor. Viel frische Luft, Bewegung und Erholung in den Bergen! Vorbereitet auf diese Abenteuer ist, wer sich früh um seinen Körper kümmert. Denn für viele bedeutet der Frühling: Raus aus der bewegungsarmen Jahreszeit, und rein in die vielfältigen Bewegungen und Belastungen am Berg. Lukas Eibeler führt heute ein Fitnessstudio im Allgäu, am Fuße der Alpen – den Aviva Social Club in Blaichach. Hier bereitet sich jeder auf die neue Saison vor. Vom Freizeitsportler mit gutem Neujahrsvorsatz, bis hin zum Leistungssportler. Hier trainiert man ganzheitlich. Im Interview erläutert Eibeler, was er darunter versteht.
Interview: Benni Häfner
Hallo Lukas! Was rätst du in deinem Studio Menschen, die nach einer langen Ruhephase zurück in den Bergsport finden möchten?
Nach einer Trainingspause entscheidet nicht die Motivation, sondern die Geduld. Muskeln reagieren schnell, Sehnen und Gelenke nicht. Wer zu früh wieder Vollgas gibt, zahlt später drauf. Deshalb muss der Fokus zuerst auf Bewegungsqualität, saubere Technik und eine kontrollierte Belastungssteigerung gelegt werden.
Wie gelingt das am besten, ohne den Körper zu überfordern?
Der Wiedereinstieg sollte bewusst unspektakulär sein. Zwei bis drei Einheiten pro Woche, moderate Gewichte, Fokus auf Technik. Der Körper braucht Zeit, um wieder belastbar zu werden. Lieber also vier Wochen ruhig aufbauen, als nach zwei Wochen wieder pausieren müssen.
Du selbst bist 33 Jahre jung und bereits Inhaber eines Fitnessstudios. Wie kam es dazu?
Sport war nie nur ein Hobby für mich, sondern immer ein Teil meiner Identität. Als Kind stand ich bei Wind und Wetter auf dem Fußballplatz. Die Bewegung war für mich selbstverständlich. Nach dem Fußball habe ich im Keller mit zwei Kurzhanteln weitergemacht. Tägliche Liegestütze, Klimmzüge in der Scheune meines Opas. Kein großes Setup, aber viel Leidenschaft. Daraus wurde mehr. Ich war als gesponserter Athlet unterwegs, habe auf Fitnessmessen Marken vertreten, wurde für Shootings gebucht und stand bei einem Men’s-Physique-Wettkampf auf der Bühne.
Wie ging es weiter?
Danach ging es leistungsorientiert in den Kraftdreikampf. Maximalkraft, Disziplin, Struktur. Und einige Jahre später kam der Ausdauersport zurück in mein Leben. Mehrere Triathlon-Wettkämpfe haben meinen Blick auf Training nochmals erweitert.
Seit 2016 bin ich im Aviva Social Club. Dort habe ich dual studiert und leite das Studio heute als Inhaber. Mein Ansatz ist ganzheitlich. Wer bei uns schwer trainieren will, trainiert schwer. Wer leistungsorientiert arbeiten will, bekommt Struktur. Aber genauso kombinieren wir Yoga mit hartem Zirkeltraining, Mobilität mit Kraft und intensive Einheiten mit bewusster Regeneration. Für mich geht es nicht nur um Muskeln. Es geht um Stärke im Gesamtpaket. Körper, Geist und innere Stabilität.
Welche Muskelgruppen sind speziell fürs Bergsteigen, Wandern aber auch fürs Biken besonders wichtig?
Für Bergsport allgemein sind zunächst starke Beine wichtig – aber eben nicht nur. Gesäßmuskulatur als Motor bergauf, Quadrizeps für bergab, Beinbeuger zur Stabilisierung der Knie. Dazu ein stabiler Rumpf für Gleichgewicht und Kraftübertragung. Wer hier sauber trainiert, merkt den Unterschied vor allem beim Abstieg.
Welche Rolle spielt das Krafttraining im Vergleich zur Ausdauer und wie finde ich heraus, was ich trainieren sollte?
Viele denken im Bergsport nur an Ausdauer. Dabei ist Krafttraining der Schutzmechanismus. Es stabilisiert die Gelenke, verbessert die Effizienz und macht langfristig belastbarer. Ausdauer sorgt für Durchhaltevermögen. Die Mischung macht den Unterschied. Zwei Einheiten Kraft, zwei Einheiten Ausdauer pro Woche sind für viele ein solides Fundament.
Lukas Eibeler
Wie viel Zeit sollte ich also für den Formaufbau vor der ersten größeren Tour einplanen?
Wer eine größere Tour plant, sollte mindestens acht bis zwölf Wochen vorbereiten. Erst Grundlagen schaffen, dann Intensität steigern, am Ende spezifischer werden. Der Körper passt sich an, wenn man ihm Zeit gibt.
Welche typischen Fehler beobachtest du beim zu schnellen Comeback?
Typische Fehler sind zu schnelle Steigerungen, zu viele Höhenmeter am Anfang und fehlendes Krafttraining. Besonders das Bergabgehen wird oft unterschätzt. Genau dort entstehen viele Überlastungen. Motivation ist gut. Struktur ist besser.
Ein bekannter Spruch: „Bergsteiger gehen nicht trainieren, Bergsteiger gehen Bergsteigen.“ Daher die Frage: Wie lässt sich Fitnessstudio-Training mit Outdoor-Aktivitäten sinnvoll kombinieren?
Der Spruch steht humorvoll für eine gewissen Lebenseinstellung. Wer aber im Studio an Stabilität, Kraft und Mobilität arbeitet, erlebt draußen mehr Sicherheit und mehr Leistungsfähigkeit. Verstehen wir den Spruch also so: Training ist Vorbereitung. Der Berg ist die Anwendung. Beides gehört zusammen.
Welche Übungen empfiehlst du speziell für Knie- und Rumpfstabilität?
Dafür setze ich auf einbeinige Übungen wie Split Squats oder kontrollierte Step-Ups. Auch exzentrisches Training für die hintere Kette ist entscheidend. Im Rumpfbereich sind Planks, Carries und Rotationsstabilität extrem wichtig. Stabilität entsteht durch Kontrolle, nicht durch Zufall.
Was kann ich, abgesehen von körperlichem Training, noch tun? Thema Ernährung und Mentalität.
Neben dem Training spielen Ernährung und mentale Stärke eine große Rolle. Ausreichend Protein unterstützt die Regeneration, Kohlenhydrate geben Energie für lange Belastungen. Mental hilft Atemkontrolle, realistische Planung und ein gutes Körpergefühl. Wer seinen Körper versteht, trifft bessere Entscheidungen am Berg.
Dein Tipp für einen reibungslosen Start in die Sommersaison ist also:
Baue nicht nur Fitness, sondern auch Belastbarkeit auf. Konstanz schlägt Intensität. Struktur schlägt kurzfristige Motivation. Wer regelmäßig und bewusst trainiert, startet nicht nur stärker, sondern auch verletzungsfrei in die Saison.
Vielen Dank und auf einen sportlichen und gesunden Sommer.







