Grüner wird’s doch!
Was ist dran, an der Nachhaltigkeit von Outdoorprodukten?
Draußen unterwegs zu sein bedeutet auch, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Mit kann nur, auf was Verlass ist. Umso widersprüchlicher wirkt es, wenn Ausrüstung schon nach wenigen Jahren ersetzt werden muss. Derweil wächst in der Outdoorbranche ein Bewusstsein. Dafür, dass Nachhaltigkeit nicht bei recycelten Materialien oder grünen Werbeversprechen enden darf. Denn oft entscheidender ist, wie lange ein Produkt tatsächlich genutzt werden kann.
Autor: Benni Häfner
Neue Sohle – neues Leben: Wenn ein guter Bergschuh erst einmal eingelaufen ist, wird er zum treuen Begleiter. Hanwag besohlt daher Schuhe auch neu. Das schont Umwelt und Geldbeutel.
Immer mehr Hersteller setzen deshalb auf Reparierbarkeit statt schnellen Ersatz. Wanderschuhe bekommen neue Sohlen, Kocher neue Dichtungen, beschädigte Jacken werden geflickt und Schlafmatten instandgesetzt. Dahinter steckt (nicht nur) ein nostalgischer Gedanke, sondern vielmehr ein konkreter Ansatz: Ressourcen sparen, Abfall vermeiden und hochwertige Ausrüstung möglichst lange im Einsatz halten. Denn gerade im Outdoorbereich verwenden wir Produkte, die über Jahre hinweg funktionieren könnten – wenn sie nur entsprechend entwickelt, konstruiert und gepflegt werden. Die folgenden Seiten zeigen, wie etablierte Hersteller das Thema Langlebigkeit heute schon neu denken. Es geht um Reparierbarkeit, Ersatzteile, mobile Werkstätten, um einfache Tipps für unterwegs – aber auch um die Frage, warum die nachhaltigste Outdoor-Ausrüstung oft die am längsten genutzte ist.
Alter Schuh – neue Sohle!
Wer viel in den Bergen unterwegs ist, entwickelt zu seinen Wanderschuhen oft eine besondere Beziehung. Sie tragen einen über Gipfel, durch nasse Wiesen, über lange Schuttfelder und oft unzählige Höhenmeter hinauf und hinab. Bei Hanwag weiß man das. Der bayerische Berg- und Trekkingschuhspezialist setzt bewusst auf langlebige Konstruktionen, hochwertige Materialien – und auf Modelle, die sich reparieren statt ersetzen lassen. Nachhaltigkeit bedeutet hier ganz konkret ein Produkt möglichst lange nutzbar zu halten.
Ein zentraler Baustein dieses Ansatzes ist die Neubesohlung vieler Hanwag-Modelle. Denn selbst wenn Leder und Schaft noch in gutem Zustand sind, werden Sohlen im alpinen Einsatz zwangsläufig irgendwann spröde oder das Profil nutzt sich ab. Häufig steckt dahinter die sogenannte Hydrolyse – ein natürlicher Alterungsprozess, bei dem sich Materialien über die Jahre zersetzen. Statt aber Schuhe deshalb auszumustern, wird ihnen im Hanwag-Werk in Vierkirchen ein zweites Leben eingehaucht.
Rund 20.000 Paar Schuhe werden dort jedes Jahr neu besohlt. Nach einer genauen Prüfung durch das Fachpersonal wird die alte Sohle entfernt und der komplette Sohlenaufbau erneuert. Je nach Modell werden dabei sogar Dämpfungskeile oder der Geröllschutzrand ersetzt. Anschließend bekommen die Schuhe neue Schnürsenkel, frische Einlegesohlen und den letzten Feinschliff, bevor sie zurück an ihre Besitzer gehen.
Gerade in einer Zeit, in der viele Produkte auf schnellen Austausch ausgelegt sind, bleibt Hanwags mit diesem Ansatz seiner Philosophie treu. Dabei zeigt sich deutlich, wie sinnvoll Reparatur und Weiterverwendung sein können: Weniger Abfall, geringerer Ressourcenverbrauch. Und viele neue Gipfelabenteuer – mit dem bereits perfekt eingelaufenen Bergschuh.
Handarbeit, die hält, was sie verspricht: Dank der Lifetime Guarantee von Dynafit.
Lebenslänglich: Die Garantie
Ob auf Skitour, beim Trailrunning, auf langen Wanderungen oder bei alpinen Bergtouren – wer in den Bergen unterwegs ist, der weiß, wie kompromisslos die Bedingungen dort sein können. Wechselnde Untergründe, extreme Temperaturunterschiede, Regen, Schnee und ständige mechanische Belastung setzen nicht nur uns Menschen, sondern auch dem Equipment zu. Aus diesem Grund schauen Käufer nicht mehr nur auf die reine Performance der Ausrüstung: Entscheidend ist nicht nur wie gut, sondern auch, wie lange ein Produkt diesen Belastungen standhält und verlässlich funktioniert. Genau hier setzt ein Konzept des Bergsportspezialisten DYNAFIT an.
Mit der „Lifetime Guarantee“ geht DYNAFIT bewusst über die gesetzliche Gewährleistung hinaus. Für ausgewählte Produkte wird ein langfristiger Zugang zu Reparaturen und Ersatzteilen ermöglicht – ein klares Statement gegen eine Wegwerfkultur, die längst nicht mehr nur den Alltag, sondern auch den Outdoorbereich erreicht hat. DYNAFIT verfolgt damit einen Ansatz, der im modernen Bergsport zunehmend an Bedeutung gewinnt: Nachhaltig ist, was im Einsatz bleibt.
Umgesetzt wird dieser Anspruch im Care & Repair Center in Kiefersfelden. Dort werden beschädigte Produkte aus verschiedensten Bereichen des Bergsports geprüft und instandgesetzt – von Schuhen über Bekleidung bis hin zu Rucksäcken oder Fellen. Ein Teil der Reparaturen kann direkt vor Ort erfolgen, komplexere Fälle werden an spezialisierte Partner weitergegeben. Wichtig ist dabei vor allem Transparenz: Kundinnen und Kunden erhalten vorab eine klare Einschätzung, bevor entschieden wird, ob repariert oder ersetzt wird. Ergänzt wird das Konzept durch einen oft unterschätzten Faktor: Pflege. Ob trockene Schuhe nach einer langen Laufrunde, richtig gelagerte Ausrüstung nach einer Bergtour oder der sorgsame Umgang mit Material im Training – viele Produkte halten deutlich länger, wenn sie bewusst behandelt werden. Genau diese Verbindung aus robuster Konstruktion, Reparaturmöglichkeiten und Alltagsroutine macht den Ansatz von DYNAFIT so interessant. Denn nachhaltige Ausrüstung entsteht nicht nur im Designprozess, sondern vor allem durch viele Jahre echter Nutzung und guter Pflege draußen im Gelände.
Feuer und Flamme für die Umwelt
Liebe geht durch den Magen – besonders während mehrtägiger Trekking- und Bergabenteuer. Kaum etwas ist dafür so essenziell wie eine gute und warme Camping-Küche. Mittlerweile gibt es die unterschiedlichsten Modelle für alle nur erdenklichen Einsatzzwecke. Gemein haben jedoch alle Outdoor-Kocher, dass sie meist viele Jahre im Einsatz sind. Sie machen Expeditionen, Winterbiwaks und verregnete Campingabende erst möglich, werden unzählige Male auf- und abgeschraubt, transportiert, gereinigt und wieder verstaut. Gerade bei derartiger Ausrüstung zeigt sich schnell, ob sie auf Langlebigkeit ausgelegt ist – oder irgendwann ersetzt werden muss, weil ein kleines Verschleißteil den Dienst quittiert. Beim schwedischen Hersteller Primus gehört genau diese Frage seit Jahren zur Produktphilosophie.
Das Unternehmen entwickelt seine Kocher bewusst so, dass zentrale Bauteile zugänglich und austauschbar bleiben. Dichtungen, Düsen oder andere Verschleißteile lassen sich bei vielen Modellen ersetzen, ohne dass gleich ein kompletter Kocher entsorgt werden muss. Auch Primus verfolgt hiermit also den Ansatz, dass Produkte repariert, gepflegt und möglichst lange genutzt werden sollen.
Wie ernst das Unternehmen diesen Gedanken nimmt, zeigt das Programm „Service your stove“, das Primus auch 2026 wieder anbietet. Über ein Online-Formular können Kunden prüfen, ob ihr Kocher für den kostenlosen Service infrage kommt. Benötigte Ersatzteile werden anschließend direkt nach Hause geschickt. Ergänzend dazu stellt Primus umfangreiche Wartungs- und Reparaturvideos bereit, die Schritt für Schritt erklären, wie sich Kocher reinigen, überprüfen und instand halten lassen.
Der Gedanke dahinter ist ebenso simpel wie sinnvoll: Oft reicht ein kleines Ersatzteil, um ein Produkt wieder vollständig einsatzfähig zu machen. Der Kocher bleibt weiter in Gebrauch – manchmal über Jahrzehnte hinweg. Gerade bei hochwertiger Outdoor-Ausrüstung zeigt sich darin ein nachhaltiger Ansatz, der weit über Materialfragen hinausgeht. Auch hier lernen wir: Das umweltfreundlichste Produkt ist häufig jenes, das gar nicht erst ersetzt werden muss.
Langlebigkeit und Reparierbarkeit wird bei Dynafit kombiniert, um möglichst langlebige Produkte herzustellen.
Der schwedische Outdoor-Ausstatter Primus ist vor allem für seine zuverlässige Kocher bekannt.
Damit auch auf Tour alles rund läuft, sind die meisten Bauteile einfach austausch- oder reparierbar.
So bequem kann Nachhaltigkeit sein
Seit den frühen 1980er-Jahren entwickelt EXPED Ausrüstung für Menschen, die lange draußen unterwegs sind – von Weitwanderungen, über alpines Trekking bis zu Bikepacking- oder Paddeltouren und Expeditionen. Im Mittelpunkt stehen dabei funktionale Produkte, die leicht, robust und möglichst langlebig sein sollen. Gerade bei Schlafmatten und Rucksäcken zeigt sich schnell, wie wichtig dieses Thema ist: Ein kleiner Riss, ein defekter Verschluss oder ein Loch im Material kann unterwegs schnell zum Problem werden. Statt beschädigte Produkte einfach auszutauschen, setzt EXPED deshalb konsequent auf Reparatur und Weiterverwendung – sogar unterwegs!
Dafür betreibt das Schweizer Unternehmen eigene Werkstätten in der Schweiz, der EU und den USA. Dort werden beschädigte Matten, Rucksäcke oder Packsäcke geprüft und – wenn möglich – fachgerecht repariert. Genäht, verklebt oder verschweißt. Viele Schäden lassen sich sogar instand setzen, selbst wenn die Ausrüstung bereits intensiv genutzt wurde. Kleinere Reparaturen übernimmt EXPED häufig kostenlos.
Besonders praxisnah wirkt dabei der Ansatz für unterwegs. Viele Schlafmatten der Ultra-, Dura- und Versa-Linien werden bereits mit einem kleinen Reparaturkit ausgeliefert. Damit lassen sich kleine Löcher direkt auf Tour abdichten – vorausgesetzt, die beschädigte Stelle wird zuvor lokalisiert und getrocknet. Über Video-Tutorials erklärt EXPED Schritt für Schritt, wie solche Reparaturen im Handumdrehen funktionieren. Auch bei der Pflege geht es um möglichst lange Nutzungsdauer. Matten sollten nach der Tour sauber und vollständig trocken gelagert werden, idealerweise mit geöffneten Ventilen und nicht zusammengerollt. Gerade isolierte Modelle danken es mit deutlich längerer Haltbarkeit – und werden so nachhaltiger.
Werkstatt to go
Kaum eine Outdoor-Marke ist so eng mit dem Gedanken des Reparierens verbunden wie Patagonia. Seit vielen Jahren propagiert das Unternehmen einen ungewöhnlichen Ansatz in einer Branche, die stark von Neuheiten lebt: Kleidung möglichst lange tragen, pflegen und im Zweifel reparieren statt ersetzen. Ein sichtbarer Ausdruck dieser Philosophie ist das Worn-Wear-Programm. Auf Tourstopps in ganz Europa repariert Patagonia gemeinsam mit Technikern beschädigte Outdoorbekleidung – markenunabhängig und häufig direkt vor Ort. Ob gerissene Daunenjacke, defekter Reißverschluss oder kleine Löcher im Stoff: Vieles lässt sich mit vergleichsweise einfachen Mitteln instandsetzen und weiter nutzen.
Wie unkompliziert manche Reparaturen sein können, erklärt Matthias Brustmann, Repair Tech Specialist bei Patagonia in München. Für unterwegs empfiehlt er ein minimalistisches Reparaturset mit Nadel, Faden, Tape und einigen Sicherheitsnadeln. „Kleine Risse lassen sich häufig direkt auf Tour abdichten, bevor sie größer werden. Besonders bei Daunenjacken genügt oft schon ein sauber aufgeklebter Patch, um Material und Isolation dauerhaft zu schützen.“
Passend dazu bietet Patagonia mit der Worn Wear Repair Roll ein kompaktes Reparaturkit für unterwegs an. Der praktische Inhalt wird ergänzt durch QR-Codes mit Anleitungen und Videos. Der Gedanke dahinter ist bewusst pragmatisch: Wer kleinere Schäden selbst beheben kann, muss eine Tour nicht abbrechen – und verlängert gleichzeitig die Lebensdauer seiner Ausrüstung erheblich. Patagonia zeigt damit, dass nachhaltiger Konsum nicht zwangsläufig Verzicht bedeutet, sondern häufig einfach darin besteht, Dinge länger zu nutzen und sorgsamer mit ihnen umzugehen.
Unter UV-Licht härtet der Kleber schnell aus – schon ist die Matte wieder dicht.
Das Schweizer Bergsportunternehmen Exped vereint Minimalismus und Reparierbarkeit mit der Langlebigkeit von Produkten.
Das Patagonia Worn Wear Repair Team macht sich aktuell auf zur Worn Wear Climb Tour mit erstem Stopp in Frankreich auf.
© Rupert Shanks / Patagonia













