Portrait: Tanja Priller
Autor: Benni Häfner
Zwischen dem höchsten Gipfel Deutschlands und den weit verzweigten Trails der Tiroler Zugspitz Arena, zwischen Afrika, Kroatien und der Steiermark: Tanja Prillers Sommer spielt sich selten an nur einem Ort ab. Die Mountainbikerin aus Oberbayern ist unterwegs – auf Rennen rund um den Globus und zugleich tief verwurzelt in ihrer Heimat rund um Penzberg, dort, wo sie trainiert, Kraft sammelt und immer wieder zurückkehrt.
„Blaue Berge. Viel Grün. Und unzählige Seen.“
Prillers Beschreibung ihrer Heimat fällt klar und schnörkellos aus – und sie zeichnet das Bild einer Landschaft, die wie geschaffen ist für das Leben auf zwei Rädern. Dass ausgerechnet hier Prillers Karriere ihren Anfang nahm, war dennoch keineswegs vorgezeichnet. Erst mit Anfang 20, während ihres Sportökonomie-Studiums in Bayreuth, steigt sie erstmals ernsthaft aufs Mountainbike. Ein Hochschulsportkurs wird zum Ausgangspunkt einer steilen Karriere. Nur wenige Jahre später folgt der Sprung auf die internationale Bühne: Seit 2021 startet Priller bei UCI-Rennen, 2022 qualifiziert sie sich für die Weltmeisterschaft, 2023 wird sie Deutsche Marathon-Meisterin.
„Man muss schlicht Spaß und Freude beim Sport verspüren. Anders geht es nicht. Denn sonst macht der Körper auch einfach nicht mit.“
Wenn Tanja Priller vom Mountainbiken spricht, leuchten ihre Augen. Sie erzählt von der Faszination des Sports, von seiner Entwicklung in den Alpen und davon, wie sie ihren Platz in einer Szene gefunden hat, die noch immer stark männlich geprägt ist. Einfach sei das nie gewesen. Um bei den großen Rennen dieser Welt überhaupt starten zu können, initiierte sie eine Crowdfunding-Kampagne und finanzierte sich ihren Weg in die Spitze Stück für Stück selbst.
Im vergangenen März startete sie schließlich beim Cape Epic in Südafrika – dem prestigeträchtigsten Mountainbike-Etappenrennen der Welt. Acht Tage, hunderte Kilometer, unzählige Höhenmeter. Gemeinsam mit ihrer Teamkollegin fuhr sie auf Anhieb in die Top Ten. Ein kurzer Stopp in der Heimat, dann geht es weiter zum nächsten Rennen nach Kroatien, danach weiter in die Steiermark. Ein ausgebauter Camper macht das alles überhaupt erst möglich.
„Hier hinkt der Frauensport den Männern noch hinterher. Dabei ist die Leistungsdichte im Frauen-Mountainbikesport extrem hoch.“
Priller spricht offen über die Herausforderungen des Frauen-Leistungssports. Ein fünfter Platz bei sieben Starterinnen klinge auf dem Papier zunächst unspektakulär, sagt sie – selbst wenn alle sieben Fahrerinnen Weltspitze sind. Gleichzeitig beobachtet sie, wie sich ihre Heimatregion verändert. Der Tourismus reagiert auf klimatische Verschiebungen, klassische Wintersportmodelle geraten unter Druck – das Mountainbiken gewinnt zunehmend an Bedeutung.
„Die Region hat sich verändert. Der Tourismus reagiert auf klimatische Veränderungen. Mountainbiken wird immer populärer und ein immer wichtigeres Standbein für die Zwischensaison.“
Besonders freut sie, dass immer mehr Kinder – und vor allem junge Mädchen – den Sport für sich entdecken.
Für Priller selbst hat das Mountainbiken den Blick auf ihre Heimat verändert, ihr neue Perspektiven eröffnet und altbekannte Landschaften neu erfahrbar gemacht. Doch wo mehr Menschen unterwegs sind, braucht es Rücksichtnahme.
„Wir suchen alle diese besonderen Naturerlebnisse. Deshalb müssen wir nicht nur auf die Natur, sondern auch gegenseitig aufeinander Acht geben.“
Verständnis, Respekt und im Zweifel lieber einmal mehr abbremsen: Für Priller ist das die Grundlage für ein funktionierendes Miteinander zwischen Wandernden und Bikern im Gebirge. Dass das gelingen kann, zeigen für sie zahlreiche Regionen südlich der Alpen längst eindrucksvoll.
20 bis 30 Trainingsstunden pro Woche bestimmen Prillers Alltag. Das nächste Rennen ist nie weit entfernt, die Anspannung wächst oft schon Wochen vorher. Gerade daran arbeitet sie derzeit bewusst.
„Ich versuche gerade, alles ein bisschen entspannter zu sehen. Die Aufregung vor großen Rennen kann sonst ziemlich anstrengend werden.“
Dabei hilft ihr Yoga – als körperlicher Ausgleich ebenso wie als mentale Erdung. Eine stille Gegenbewegung zu einem Sport, der oft laut und schnell sein kann, bei aller Professionalität aber auch immer rebellisch geblieben ist.
Anja Blacha






