Jennifer Schraml: Die Erinnerungs-Designerin
Auf 1.555 Metern Höhe, mitten in der rauen Schönheit des Braunecks, fand Jenni von „sunny film“ ihre Bestimmung, ihre Leidenschaft. Zwischen den Gipfeln der Bayerischen Voralpen, im Ausläufer der Benediktenwand, begann das, was heute Jennys Handschrift prägt. Inmitten dieser alpinen Stille wurde aus einer technischen Leidenschaft ein tiefes Versprechen – die Bedeutung echter Gefühle in Bewegtbildern festzuhalten, die auch Jahre später noch für Gänsehaut sorgen.
Autorin: Jasmin Lutz
Was vor über 14 Jahren als allgemeine Liebe zum Film begann und Jenny zunächst durch die dynamischen Welten des Wassersports und der Touristik führte, fand bei einer schicksalhaften Berghochzeit seine wahre Erfüllung. Es war der Moment, in dem sie erkannte, dass die Kamera weit mehr sein kann als ein Werkzeug zur Dokumentation – sie ist ein Schlüssel zu den intimsten Augenblicken des Lebens. Die Nervosität vor dem Ja-Wort, das unkontrollierte Glück und die leisen Zwischentöne sind es, die ihre Filme heute zu lebendigen Monumenten der Liebe machen.
Ihr Stil ist dabei so echt wie die Bergwelt selbst: emotional, ruhig und zutiefst nahbar. Jenny verzichtet bewusst auf überinszenierte Szenen und setzt stattdessen auf natürliches Licht, Originaltöne und die echte Atmosphäre, wie sie sich organisch entwickelt. Als stille Beobachterin bewegt sie sich im Hintergrund, um die Intimität des Tages zu wahren und Momente einzufangen, die Familien über Generationen hinweg weitergeben werden.
Für Jenny ist die Hochzeitsvideografie die Kunst, etwas zu erschaffen, das mit der Zeit immer wertvoller wird. Jede Geschichte ist für sie einzigartig, jede Hochzeit eine neue kreative Herausforderung. Es ist dieses Zusammenspiel aus der Liebe zur Heimat, dem Respekt vor der Natur und der Faszination für das Unverfälschte, das sunny film zu einer ganz besonderen Handschrift in der Welt der Hochzeitsfotografie macht.
Im Gespräch gibt Jenny Einblicke in ihre kreative Welt und verrät, wie sie aus flüchtigen Augenblicken zeitlose Erinnerungen formt:
Jenny, du bist als Videografin in München zu Hause, begleitest Paare aber oft hinauf in die Berge oder an die Seen. Wie verändert die Ruhe und Weite der Alpen die Dynamik eines Hochzeitspaares im Vergleich zu einer urbanen Hochzeit?
In den Bergen passiert etwas, das man nicht inszenieren kann: Menschen werden ruhiger, gelassener, geerdeter. Die Weite nimmt das Tempo raus. Es gibt weniger Ablenkung, weniger Lautes, weniger straffe Zeitpläne. Paare sind dort oft mehr bei sich und weniger „auf der Bühne“. Diese Echtheit spürt man später im Film ganz stark.
Du möchtest Filme schaffen, die auch in 30 Jahren noch die Geschichte des Paares erzählen. Was glaubst du, macht die Alpen zu einem so „zeitlosen“ Ort für ein Eheversprechen, das über Trends erhaben ist?
Die Alpen sind älter als jeder Trend. Felsen, Seen, Gipfel – das sind Kulissen, die sich nicht nach Mode richten. Dadurch wirken Hochzeiten dort automatisch zeitlos. Wenn ein Paar in 30 Jahren seinen Film anschaut, wird es nicht über veraltete Details sprechen, sondern sich an die Gefühle erinnern: an den Wind, der durch die Haare wehte, an das Gefühl der Freiheit und die Verbundenheit zum Partner. Ein Versprechen in dieser Umgebung fühlt sich größer an, als der Moment selbst – eher wie ein Kapitel in einer langen Geschichte, als wie ein einzelner Tag.
Fotos halten meist die Höhepunkte fest. Warum sind es im Video oft gerade die „Zwischenmomente“ – ein nervöses Händezittern oder ein kurzes Flüstern –, die die Geschichte erst echt machen?
Was uns Menschen fasziniert und in den Bann zieht sind die echten Momente und Geschichten – nicht die inszenierten Posen. Echte Gefühle passieren selten auf Kommando, sondern aus echten Momenten heraus. Das sind die Momente, in denen Menschen wirklich sie selbst sind. Fotos zeigen, wie etwas aussah. Video zeigt, wie es sich angefühlt hat.
Das Leben besteht nicht nur aus Höhepunkten, sondern aus allem dazwischen. Das Zittern der Hände kurz bevor die Braut den Gang entlanggeht – das ist echt. Die kleinen Gesten, das Flüstern, ein Blick, der nur eine Sekunde dauert. Im Video werden diese Augenblicke zwischen den „Highlights“ zu den Szenen, bei denen Paare später am meisten weinen, weil sie sich plötzlich wieder genauso fühlen wie in diesem Moment.
Viele Paare haben Scheu vor der Kamera. Warum ist Videografie oft der Schlüssel zu natürlicheren Aufnahmen, weil man eben nicht für den einen Klick starr stehen bleiben muss?
Unbehagen entsteht meist nur bei dem Gedanken an eine Kamera. In der Realität genießen meine Paare unsere gemeinsame Zeit sehr, weil sie sie selbst sein dürfen und weil Bewegung entspannt. Beim Filmen dürfen sie gehen, lachen, reden, sich einfach miteinander beschäftigen. Sie müssen nicht für einen einzigen perfekten Moment stillhalten. Ich gebe meinen Paaren oft kleine Aufgaben: „Erzähl ihm, was du heute Morgen gedacht hast, als du aufgewacht bist“. Dadurch vergessen sie die Kamera und genau dann entstehen die ehrlichsten Aufnahmen.
Was unterscheidet ein professionelles Hochzeitsvideo von einem privaten Mitschnitt?
Ein professioneller Film dokumentiert nicht nur, er erzählt eine Geschichte durch Rhythmus und Dramaturgie. Der entscheidende Unterschied liegt im Gespür für den Moment und der Technik: Diskrete Mikrofone fangen selbst das leiseste Eheversprechen ein, während lichtstarke Kameras die Stimmung bewahren, ohne sie zu stören. Es geht nicht darum, alles zu zeigen, sondern das Wesentliche fühlbar zu machen.
Wenn das Hochzeitspaar Wochen später zum ersten Mal auf „Play“ drückt – was ist das Feedback? Ist es eher ein „Schau mal, wie schön wir aussahen“ oder ein „Weißt du noch, wie wir uns in diesem Moment gefühlt haben“?
Fast immer das Zweite. Natürlich freuen sich Paare, wenn sie schön aussehen – aber das, was wirklich Tränen und Gänsehaut auslöst, sind die Gefühle. Ich bekomme Nachrichten wie: „Ich hatte komplett vergessen, was mein Mann bei den Gelübden gesagt hat, weil ich so nervös war und jetzt kann ich es mir immer wieder ansehen“ oder „Als ich meine Oma im Video gesehen habe, wie sie Freudentränen in den Augen hatte, das war so berührend… ich weiß nicht wie lange sie noch bei uns ist und jetzt habe ich diese Erinnerung für immer.“
Es geht nie um Ästhetik allein. Es geht darum, einen Tag fühlen zu können, der sonst nur in Fragmenten im Gedächtnis bleibt.
Welchen Rat gibst du Paaren bei der Wahl ihrer Hochzeitsvideografin?
Schaut euch die Arbeiten genau an – aber achtet nicht nur auf die Ästhetik, sondern darauf, ob ihr euch in den Filmen wiederfindet. Fühlt sich das an wie etwas, das zu euch passt? Und dann: Trefft die Person! Die Chemie muss stimmen, denn eure Videografin wird euch an einem der emotionalsten Tage eures Lebens begleiten. Ihr solltet euch wohlfühlen, authentisch sein können. Fragt nach dem Arbeitsstil, worauf sie besonderen Wert legt und was passiert, wenn es regnet oder der Zeitplan durcheinander gerät? Eine gute Videografin passt sich an euch an – nicht umgekehrt. Und vertraut dabei vor allem eurem Bauchgefühl.
Weitere Infos unter sunnyweddingfilm.de








