Hinter der Linse: Karin Pasterer
Alpenraum / Natürliches Licht, gedämpfte Farben, authentische Motive. Karin Pasterers Bilder sprechen eine unaufdringliche und taktvolle Sprache. Ungeschönt und echt. Dass die Bilder dennoch wir clever durchdachte Kompositionen wirken, ist die Kunst daran: Bergsportler, in ihrem natürlichen Lebensraum.
So entstehen einmalige Werke. Dank Pasterers ausgeprägtem Sinn für vergängliche Momente, für kleinste Details und die ganz große Szenerie. Wie die österreichische Fotografin den Weg vom Downhill Mountainbiken zur Fotografie bewältigte, und warum Interior- und Hospitality-Fotografie auf der einen, und Sportswear- und Outdoorfotografie auf der anderen Seite in Pasterers Fotowelt so gut zusammenpassen, darüber spricht sie im Interview.
Autor: Benni Häfner
Trailrunning im Abendrot mit Tami
und Mucki vom Bergstadl in Saalbach
Sony a7RV | Sigma 35 mm 1:1.4 DG DN Art | 35 mm | f3.5 | 1/1.000 sek | ISO 100
Mehr von Karin im Internet unter:
www.karinpasterer.com | www.instagram.com/karinpasterer
Hallo Karin, stell dich doch bitte unseren Lesern kurz vor.
Hello, mein Name ist Karin Pasterer, 33 yo und ich bin in den Bergen rund um Saalbach aufgewachsen. Nach einigen Jahren, in denen ich viel gereist und an anderen Orten gelebt und gearbeitet habe, hat es mich schließlich wieder zurück in meine alpine Heimat verschlagen. Früher war ich leidenschaftliche Downhill-Mountainbikerin und sogar auf einigen Rennstrecken unterwegs – der Sport hat damals mein ganzes Leben geprägt. Heute verbringe ich meine Zeit am liebsten in den Bergen, mit meiner Familie, auf kleinen und großen Abenteuern, bei Kaffee in der Sonne oder mit freien kreativen Projekten.
Wie hast du den Weg zur Fotografie gefunden?
Früher hat sich mein ganzes Leben ums Downhill Mountainbiken gedreht. Ich habe jede freie Minute auf dem Bike verbracht, bin damit nach Whistler, Neuseeland und quer durch Europa gereist, habe an Rennen teilgenommen und vom Weltcup geträumt. Jeder Urlaub war rund ums Mountainbiken geplant, und so auch dieser eine Urlaub in Chatel, der alles verändert hat. Große Sprünge haben mich selten eingeschüchtert, doch an diesem Tag gings schief. Direkt nach der Landung eines Roadgaps war ein Schlagloch, das mich völlig unvorbereitet erwischt hat. Die Folge: Ein doppelt gebrochener Halswirbel, der sofort in Frankreich operiert wurde. Und die Erkenntnis, wie viel Glück ich hatte, noch gehen zu können. Was blieb, war allerdings die Angst nochmal zu stürzen und dann nichtmehr so glimpflich davonzukommen. Kurz: Ich hab‘s mental nicht mehr auf die Kette gebracht.
Und trotzdem hast du das Biken nie ganz losgelassen.
Ja. Ich hab´s dank Mentaltraining geschafft zumindest hobbymäßig wieder Spaß daran zu finden und war dann halt statt als Athletin als Zuschauerin bei den Events. Durch eine Bekannte hatte ich beim Crankworx in Innsbruck vor einigen Jahren dann zum ersten Mal eine Leihkamera in der Hand. In meinem damaligen Job im Marketing hatte ich bereits mit der Organisation von Foto- und Videoproduktionen zu tun – ganz fremd war mir die Materie also nicht.
Kurz darauf beschlossen wir, gemeinsam ein paar World Cups zu fotografieren und ich hab meine neue Leidenschaft entdeckt. Ich hab dann direkt nebenberuflich ein Kleingewerbe angemeldet und nach der Geburt meiner Tochter vor drei Jahren in die Selbstständigkeit gewechselt, um flexibler für meine Tochter da sein zu können. Die Begeisterung für Fotografie haben mir aber sicher schon mein Opa und Papa mitgegeben. Erst kürzlich hab ich im Keller einen ganzen Karton voller analoger Kameraschätze gefunden.
Wie kam deine Fotokarriere schließlich ins Rollen?
Wenn man im Downhill-Worldcup als Fotografin Geld verdienen will, ist das logischerweise mit einer hohen Reisetätigkeit verbunden. Als sich meine Tochter auf den Weg in diese Welt gemacht hat, war klar, dass ich diesen Weg nicht weiterverfolgen möchte. Ab und zu ein paar Tage unterwegs zu sein, ist kein Problem, aber mit dem World Cup Tross zu reisen bedeutet in Summe das halbe Jahr unterwegs zu sein.
Ein großer Wendepunkt war die Zusammenarbeit mit meiner besten Freundin Lilly, die vor vier Jahren aus dem Landhaus Jausern ein Designhotel gemacht hat – das Haus Jausern. Sie hat mir den fotografischen Part übergeben, und das hat einiges ins Rollen gebracht. Der Interior Designer des Hotels war von meiner Arbeit so begeistert, dass er mich kurzerhand nach Los Angeles einfliegen ließ, um eines seiner Projekte zu fotografieren.
Seither hat sich meine Arbeit in zwei starke Säulen aufgeteilt: Interior- und Hospitality Fotografie auf der einen, Sportswear- und Outdoorfotografie auf der anderen Seite. Diese Kombination passt perfekt zu den Needs der Tourismusregionen, von denen ich umgeben bin – und mein Einzugsgebiet wird laufend größer.
Das hört sich ja nach einer steilen Karriere an. Gab es denn keine Dämpfer?
Hürden gibt es in der Selbstständigkeit ständig – gerade dann, wenn man sich weiterentwickeln möchte. Aktuell versuche ich, Sportswear vermehrt im Fashion-Editorial-Stil zu inszenieren. Leider finde ich bisher noch nicht die passenden Brands, die diesen Weg mit mir gehen wollen – aber ich bleibe dran.
Dein Fokus liegt also auf Outdoorthemen und Sportswear. Kannst du deine Bildsprache beschreiben?
Ich liebe natürliches Licht und stehe dafür auch gern um 04:00 Uhr morgens auf, um die sanfte Morgensonne zu nutzen. Meine Bildsprache ist sehr emotional und detailverliebt – ich lege großen Wert auf Stimmung, Licht und das Zusammenspiel aus Model, Pose und Umgebung. Die Bilder wirken oft authentisch, aber gleichzeitig durchkomponiert. Ich möchte, dass man beim Betrachten meiner Fotos ein Gefühl bekommt – sei es Freiheit, Energie oder Ruhe.
Welche Herausforderungen stellt dir diese Art der Fotografie?
Um ganz ehrlich zu sein: Das Budget für professionelle Models zu bekommen ist oft die größte Herausforderung. Dabei ist die Person auf dem Bild genauso wichtig, wie die ganze Produktion drumherum. Oft wird hier leider an der falschen Stelle gespart, denn das Model ist das Gesicht der Marke und trägt die Emotion des Bildes maßgeblich mit. Gerade im Sportbereich braucht es Menschen, die sich nicht nur technisch bewegen können, sondern auch ein Gefühl für Kamera, Posing, Licht und Ausdruck haben. Es gibt so viele wunderschöne Menschen, die aber genau diese Skills nicht mitbringen und daher vor der Kamera leider einfach nicht funktionieren. Mit professionellen und im besten Fall diversen Models hat man am Ende auch eine größere Bildauswahl, denn man hat die Shots einfach schneller im Kasten. Dazu kommen äußere Einflüsse wie Wetter, Gelände oder Lichtverhältnisse – Dinge, die man nicht kontrollieren kann. Spontanität und Flexibilität sind daher unerlässlich.
Welche Kunden hast du mittlerweile für dich gewinnen können und wie sehen diese Zusammenarbeiten aus?
Bisher durfte ich unter anderem mit Canyon, Vali Höll, ANIMØ Optics, Saalbach, Saalfelden Leogang, Salzburger Land Tourismus, St. Anton am Arlberg und dem Stubaier Gletscher zusammenarbeiten und einige Projekte mit größeren Werbeagenturen aus Salzburg und Tirol umsetzen.
Die Zusammenarbeit ist dabei immer individuell: Bis zu einer gewissen Größe übernehme ich ab und zu die gesamte Organisation – von der Teamzusammenstellung (Videograf*in, Models, Styling, Assistenz,) über Locationscouting bis zur Erstellung von Moodboards, Shotlists, Call Sheets und so weiter. Bei aufwändigen Produktionen gebe ich das aber gerne an externe Producer ab, um den Kopf frei für den kreativen Part zu haben. Bei anderen Produktionen ist alles bereits durch eine Agentur vorbereitet, und ich komme „nur“ noch zum Fotografieren. Es gibt auch Fälle, in denen ich ein grobes Briefing bekomme und mich die Kundschaft einfach eigenständig losschickt.
Jede Produktion ist anders, denn jede Kundschaft hat andere Needs, Vorstellungen und Budgets, daher ist mir der persönliche Kontakt immer sehr wichtig. Grundsätzlich bin ich sehr offen und finde für fast jedes Projekt eine Lösung. Gegenseitige Wertschätzung ist für mich aber immer die Basis jeder Zusammenarbeit.
Welche waren bisher deine Lieblingsprojekte und warum?
Es gab viele Projekte, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Das Shooting in Los Angeles war natürlich ein Highlight – einfach, weil es völlig aus dem Rahmen gefallen ist und mir gezeigt hat, wie weit meine Arbeit reichen kann. Das Shooting mit Animø Optics war für mich die Entdeckung meiner Leidenschaft zur Fashion-Styled Sportswear. Aber auch kleinere Projekte mit persönlicher Note, etwa in den Bergen mit einer großartigen Crew sind mir genauso lieb. Oft sind es gar nicht die großen Namen, sondern die Stimmung, das Team und das Ergebnis, die ein Projekt zu etwas Besonderem machen.
Was finden wir in deinem Fotorucksack?
Meine Sony a7RV wird begleitet von mehreren Objektiven. 14-24 mm, 24-70 mm,
70-200 mm und zwei Festbrennweiten mit 35 mm und 85 mm. Je nach Bedarf kommt auch ein Dauerlicht oder ein Blitz zum Einsatz, aber meistens fotografiere ich mit Available Light.
Außerdem immer dabei: Ein Backup-Body, falls die Hauptkamera mal ausfallen sollte. Bei Shootings ohne ständigen Locationwechsel habe ich außerdem noch mein MacBook fürs Tethering dabei, um direkt aus der Kamera die Ergebnisse zu checken und das Bild zu perfektionieren.
Hast du ein paar fotografische Tipps für unsere Leser?
Ich mach das ja auch noch nicht allzu lange, aber wenn ich einen Tipp mitgeben kann: Geht raus und fotografiert was euch inspiriert, auch wenn ihr nicht dafür bezahlt werdet. So findet ihr irgendwann das, was ihr am liebsten macht und in dem ihr genau deshalb gut seid. Außerdem baut ihr euch so ein Portfolio auf, das eure Traumkund*innen anlockt. Man muss aber auch aktiv auf sie zugehen. Darauf zu warten, gefunden zu werden, kann lange dauern.
Oh, und by the way: Selbstzweifel sind normal! Nutzt das als Antrieb, um besser zu werden!
Ein Blick in die Zukunft: Was bringen die nächsten Jahre?
Die nächsten Jahre bringen hoffentlich viele tolle Projekte, neue Bekanntschaften und schöne Erinnerungen. Ganz oben auf meiner Wunschliste stehen Shootings im Fashion Editorial Style für Sportswear – dafür suche ich aktuell gezielt nach passenden Marken, die diesen Look mit mir gemeinsam entwickeln möchten.
Reisetechnisch steht für nächsten Sommer ein Roadtrip durch Schottland an – mit der Kamera im Gepäck, versteht sich. Ein großer Traum ist außerdem eine Reise nach Japan, die ich mir in den nächsten Jahren unbedingt erfüllen möchte. Grundsätzlich bin ich aber immer offen für neue Ziele, Kulturen und Eindrücke – egal, wohin die Reise geht.
Dabei wünschen wir viel Freude und alles Gute!



















