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Mit Jochen Schweizer einen Fallschirm-Tandemsprung aus dem Heißluftballon erleben.
Jetzt ist es so weit. Seit Wochen kreist dieser Tag in meinem Kopf. Vorfreude, Aufregung, Respekt – und eine Prise Angst, die mal stärker, mal schwächer an meinem Mut nagte. Jetzt ist es 7:15 Uhr. Ein wolkenloser Morgen. Gefrorener Reif lässt die Wiese am Flugplatz Leutkirch im Sonnenlicht glitzern. Durchatmen.
Autor: Benni Häfner
Trockenübung
Fred, mein Tandemmaster, ist ein alter Hase: mehrere Tausend Sprünge, auch als Ausbilder, aus Flugzeugen und Helikoptern. Ich? Noch keinen einzigen. Doch heute ist auch für ihn eine Premiere: ein Sprung aus einem Heißluftballon ist auch für Fred eine neue Erfahrung. Kevin, unser Ballonfahrer, wirkt vollkommen ruhig und routiniert. Mit geübten Handgriffen macht er das gigantische Fluggerät startklar. Auch er hat unzählige Fahrten hinter sich. Ich bisher nur eine. Ein paar weitere Passagiere unterstützen Kevin bei den Vorbereitungen. Währenddessen bekomme ich eine Einweisung.
So ziehe ich einen Overall über, Helm und Brille folgen. Fred legt mir außerdem den Gurt an. Dann üben wir: die Landeposition, das Verhalten beim Sprung. Er erklärt die wichtigsten Signale – ein Schulterklopfen bedeutet „Arme ausbreiten“, ein zweites: „Arme anlegen“. Alles klappt. Theoretisch. Am Boden.
Als wir aus der Halle treten, ist der knapp 30 Meter hohe Ballon prall gefüllt. Die Morgensonne wirft lange Schatten über das Flugfeld. Der Brenner faucht. Ich erinnere mich in diesen Sekunden an meine erste und bisher einzige Ballonfahrt – wie sanft sich der Korb damals vom Boden löste, wie wir langsam stiegen, getragen von nichts als warmer Luft. Heute mischt sich eine ungeahnte Anspannung unter diese Erinnerung. Doch als wir abheben, weicht die Nervosität. Ich vertraue Fred. Ich vertraue Kevin. Ich fühle mich – trotz allem – sicher.
Von 0 auf 3.000
Zuerst steigen wir gemächlich. Dann mit bis zu fünf Metern pro Sekunde. In wenigen Minuten reicht mein Blick vom Westallgäu bis zum Alpenhauptkamm. Leichte Nebelschwaden verleihen der Szenerie eine fast mystische Ruhe. Und auch ich werde ruhiger. Anfangs versuche ich noch, mich zu fokussieren – auf das, was kommt. Doch die Gedanken zerstreuen sich. Also lasse ich los. Ich genieße.
Hin und wieder durchbricht ein Funkspruch die Stille. Das Klicken einer Kamera. Der Brenner. Kevin meldet die Höhe: 1.000 Meter. 2.000 Meter. Schließlich 3.000 Meter. Dann geht alles ganz schnell. Fred schnallt sich an mich. Gemeinsam schwingen wir die Beine über den Rand des Korbes. Für einen kurzen Moment will mir mein Verstand klarmachen, dass das keine gute Idee ist. Doch Fred ist anderer Meinung. Er klatscht locker ab, lacht, als würde er jeden Moment auf der Korbkante auskosten. „Auf mein Kommando“, ruft er.
Von 0 auf 200
In einem Heißluftballon spürt man kaum Wind – man fährt mit ihm, nicht gegen ihn. Alles wirkt still, fast friedlich. Das ändert sich schlagartig. Sobald wir den Korb verlassen, ist es vorbei mit der Ruhe. Die Gravitation reißt uns mit voller Wucht zurück auf die Erde. Anders als beim Absprung aus einem Flugzeug beschleunigen wir aus dem völligen Stillstand – und das macht das Erlebnis so intensiv.
Die ersten Sekunden fühlen sich an, als hätte ich meine Organe im Ballonkorb zurückgelassen. Die Schwerelosigkeit ist überwältigend. Meine Sinne liefern allerdings widersprüchliche Signale: Ich höre den aufbrausenden Wind, spüre den Sog nach unten – der Grund scheint dagegen kaum näherzukommen. Nach nur drei Sekunden erreichen wir über 100 km/h. In stabiler Bauchlage beschleunigen wir weiter – bis auf rund 200 km/h. Wir rasen Leutkirch entgegen.
Mehr als 30 Sekunden freier Fall. Zeit genug, um zu begreifen, dass das hier kein Traum ist. Dann zieht Fred den Fallschirm. Kein harter Ruck – eher ein sanftes Bremsen. Der Wind lässt nach. Das Rauschen in meinen Ohren verebbt. Fred jubelt. Als ich mich endlich wieder sammlen kann, frage ich nach. „Alles gut“, lacht mein Tandemmaster.
Landeanflug
Ich darf selbst die Steuerleinen übernehmen, ziehe leicht nach links, dann nach rechts. Weite Kurven. Freiheit fühlen. Und wie das Adrenalin mich noch immer durchströmt.
In wenigen Minuten bringt uns die Schwerkraft so zurück zum Startplatz. Die Landung ist weich, problemlos. Und doch: So fremd hat sich der Boden noch nie unter meinen Füßen angefühlt. Fallschirmspringen ist wahrhaftig ein außergewöhnlicher Sport – und überraschend sicher. Seit das Tandemspringen 1986 aus den USA nach Deutschland kam, können auch Ungeübte dieses Abenteuer erleben. Fred hatte schon viele Passagiere: Kinder ab acht Jahren, Senioren mit über achtzig.
Voraussetzungen? Ein durchschnittlicher Gesundheitszustand – und maximal 90 kg Körpergewicht. Übrigens: Das über Jochen Schweizer buchbare Erlebnis beinhaltet neben dem Sprung auch eine kleine Ballonfahrertaufe – und auf Wunsch Fotos und Videoaufnahmen.








