Wo der Gin nach Alpen duftet
Wenn sich der süße Duft reifer Früchte mit der warmen Holznote und frischen Alpenkräutern vermischt, weiß man sofort: Man ist am Guglhof angekommen. Zwischen alten Mauern und blitzenden Kupferkesseln wird hier eine Handwerkskunst lebendig, die man nicht nur schmecken, sondern vom ersten Moment an tief einatmen kann. Ein echtes Versprechen auf besondere, flüssige Schätze.
Autorin: Jasmin Lutz
Schon beim Betreten des Kopfsteinpflasters wird klar: Das hier ist viel mehr als eine reine Produktionsstätte für Gin, Whisky und Schnaps. Die warmgelben Fassaden der Edelbrennerei in Hallein tauchen in ein mildes Licht, während alte Bäume und gepflegte Büsche eine herrlich entspannte, fast parkähnliche Ruhe verströmen. Der moderne „Guglhof“-Schriftzug am Eingang fügt sich dabei ganz unaufdringlich in das historische Ambiente ein. Wer ein paar Schritte weitergeht, entdeckt lauter liebevolle Details: Topfpflanzen, einen kleinen Skulpturenpark oder geschwungene Wege, die den Blick fürs Schöne verraten. Hier packt die Familie seit Generationen mit an und man spürt sofort, dass Tradition und kreativer Freigeist hier Hand in Hand gehen.
Seniorchef Anton Vogl und seine Söhne Christoph und Anton Junior haben die Brennerei über Jahrzehnte hinweg zu einer echten Institution gemacht. Dass sie dafür erneut als „Brennerei des Jahres 2025“ ausgezeichnet wurden, überrascht eigentlich niemanden, der ihren Weg verfolgt. Es ist vielmehr die verdiente Bestätigung für jahrelange harte Arbeit, jede Menge Leidenschaft und ein tiefes Gespür für die Natur.
Edle Tropfen und echtes Handwerk
Die Basis für die feinen Brände? Sorgfältig ausgewählte Früchte alter Obstsorten – manche davon längst in Vergessenheit geraten. Den hauseigenen Gin brennen sie hier schon seit den 1930er-Jahren, heute veredelt mit einer ganzen Vielfalt alpiner Botanicals. Alles wird behutsam in kleinen Kupferkesseln zweifach destilliert, und auf jedem Etikett prangt ganz persönlich der Jahrgang.
Neben den klassischen Fruchtbränden hat sich der Guglhof auch längst einen Namen in der Whisky-Welt gemacht. Verarbeitet wird heimisches Urgetreide wie Tauernroggen oder Sommergerste, teilweise über Torfrauch getrocknet und in edlen Fässern aus dem französischen Pomerol gereift. Die streng limitierten Auflagen – darunter acht- bis zehnjährige Single-Cask-Abfüllungen – machen jeden Tropfen zu einem echten Erlebnis. Auch die reinen Obstbrände von der Vogelbeere bis zur Wachauer Marille überzeugen auf ganzer Linie. Die langen Ruhe- und Reifezeiten machen sie zu vollmundigen, vielschichtigen Bränden, die den hohen Anspruch der Brennerei perfekt auf den Punkt bringen.
Ergänzt wird das Portfolio des Salzburger Betriebs durch den herausragenden Guglhof Wermuth Rot Premium Dry. Der edle Rosso, der mit beachtlichen 90 Falstaff-Punkten prämiert wurde, besticht durch eine markante, herbe Grundierung. In der Nase dominieren vielschichtige Anklänge von getrockneten Kräutern, gepaart mit feiner Kamille und einem Hauch von Myrrhe. Am Gaumen bewahrt sich der Wermuth seine wunderbar trockenen Noten, während eine dezente rote Fruchtigkeit elegant im Hintergrund mitschwingt. Ein rundum stimmiger Aperitif, der in einem herrlich herben Finish gipfelt.
Mitten im Herzen der Brennerei
In den Hallen selbst tanzt eine feine Melodie aus reifem Obst, warmem Holz und dem leisen, beruhigenden Blubbern der Brennblasen. Jeder Raum hat seinen eigenen Charakter: glänzende Kupferkessel, fein säuberlich beschriftete Holzfässer und Regale voller Flaschen, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Mittendrin: die Familie Vogl, die einfach präsent ist, ohne aufdringlich zu wirken.
Ein Rundgang über das Gelände zeigt, wie schön Althergebrachtes und frischer Wind hier verschmelzen. Moderne Technik trifft auf traditionelles Brennerhandwerk, und jede Flasche erzählt ihre eigene Geschichte – vom Baum bis ins Glas. Ein echtes Highlight ist der Pavillon, in dem die Kunstsammlung von Toni Vogl sen. präsentiert wird. Ein wunderbarer Ort, der Kreativität nicht nur in flüssiger Form, sondern auch in Farben und Formen feiert.
Wenn sich am späten Nachmittag das Licht golden in den Bäumen bricht und die Schatten der alten Mauern länger werden, fällt der letzte Groschen: Der Guglhof ist weit mehr als eine hervorragende Edelbrennerei. Er ist ein kleines Gesamtkunstwerk für alle Sinne, in dem Handwerk, Natur und Kultur verschmelzen. Man geht hier nicht nur mit feinen Destillaten im Gepäck vom Hof, sondern mit dem schönen Gefühl, Teil einer lebendigen Tradition zu sein, die schon heute an der Zukunft schreibt.








