Kieferngrün gegen grauen Kalk
Es gibt Orte, die jeder kennt, und solche, von denen kaum jemand ahnt. Die einen ziehen die Massen an, weil sie spektakulär sind, die anderen glänzen durch Stille und Einsamkeit. Inmitten dieses Kontrastes liegt Hinterstoder: Ein Ort, der im Rampenlicht des Wintersports glänzt, aber abseits der Pisten seine Seele an die Einsamkeit und die majestätische Ruhe des Toten Gebirges verschenkt hat.
Autorin: Jasmin Lutz
Stille. Nicht, dass man nichts hören würde. Vogelgezwitscher in der Ferne, das sanfte Rauschen des Windes, der durch die Schluchten zieht, den eigenen, tiefen Atem. Nein, es ist jene Stille, die man von Zeit zu Zeit sucht. Jene Stille, die den Geist erdet. Hier oben am Rand des Schneeofens, verliert der Alltagstrubel seine Macht. Wenn der Blick über das schier endlose, sattgrüne Meer aus Latschenkiefern schweift, fühlt man sich als Teil etwas Größeren. Der Wald schmiegt sich an den grauen, harten Fels und bedeckt den ansteigenden Hang. Es ist ein harter, alpiner Kontrast: grauer Kalkstein gegen dichtes Grün.
Es sind genau diese Momente der Rast, um die Schönheit von Hinterstoders Naturreichtum aufzusaugen, die Beine für einen Augenblick stillhalten zu lassen und einfach nur zu beobachten. Um hierher auf rund 1.850 Meter über dem Meeresspiegel zu gelangen, nutzt man zuerst die 10er-Hössbahn und folgt danach dem Wanderweg für etwa anderthalb Stunden bergauf. Der Pfad führt vorbei am Hutterer See und weiter hinauf zum Schafkogelsee. Wer hier eine unberührte Idylle erwartet, muss allerdings flexibel sein: Der Schafkogelsee ist ein künstlicher Speichersee für den Winterbetrieb und je nach Jahreszeit auch mal komplett leer. Schon beim Aussteigen aus der Gondel der 10er-Hössbahn sollte man nicht die pure Naturidylle erwarten. Mit den vielen Hütten, Almen und der Skiinfrastruktur wirkt das Areal auf den ersten Blick befremdlich, fast wie ein alpiner Freizeitpark.
Doch spätestens hier oben am Schneeofen rückt das in den Hintergrund. Zwischen den dunklen Latschen brechen immer wieder hellgrüne Lärchen hervor, die dem steinigen Hügel Struktur verleihen. Weiter oben liegt nacktes Geröll, während im Hintergrund die mächtigen, grauen Flanken des Toten Gebirges aufragen, in deren tiefen Rinnen noch weiße Altschneefelder liegen. Der wolkenverhangene Himmel wirft keine harten Schatten, alles wirkt ruhig und unverfälscht. Ein fantastischer Ausblick, der ganz ohne Inszenierung auskommt. Beim Abstieg machen wir nochmal Rast am Hutterer See und genießen den Blick in die Gebirgskette. Vor uns stehen sie, die Wächter über das Stodertal: der Große Priel (2.514 m), die Spitzmauer (2.446 m) sowie der Kleine (2.352 m) und der Große Hochkasten (2.389 m). Ein letzter, mächtiger Eindruck, bevor es wieder zurück ins Tal geht.
Vom Berggipfel in den Sattel
Wahrscheinlich würde sich nun jeder auf den Saunabereich des Hotels freuen, doch wir haben noch viel vor. Das Stodertal bietet einfach zu viel und es lohnt sich einfach zu sehr, jede Minute zu nutzen. Im Wanderhotel Poppengut bei Familie Kniewasser gibt es erst mal eine schnelle Jause und ein Stück Kuchen. Aber ohne langes Kaffeekränzchen, wir tanken nur kurz die Energiespeicher auf. Dann schnappen wir uns die Mountainbikes, Helm auf und direkt los.
Hinterstoder hat im Tal richtig gute Bikerouten parat, die sofort Laune machen. Unser erstes Ziel ist der Schiederweiher. Die Steyr fließt direkt neben uns her, das Wasser leuchtet herrlich türkise und plätschert vor sich hin, während wir kräftig in die Pedale treten. Am Weiher selbst stoppen wir kurz für den absoluten Postkartenblick: Er wurde nicht umsonst zum schönsten Platz Österreichs gekürt. Die riesigen Berggipfel spiegeln sich spiegelglatt und bildgewaltig im Wasser – einmal tief durchatmen, die Kulisse einsaugen und weiter geht‘s.
Der Weg führt uns immer weiter hinein, bis ans Ende des Stodertals. Die Steigung zieht jetzt in den müden Beinen, aber der Ausblick auf die magische Bergwelt entschädigt für jeden härteren Tritt. Die felsigen Wände ragen links und rechts steil auf und begleiten uns bis zum Wendepunkt.
Und dann kommt das Beste: Es geht zurück, wir schalten hoch und lassen die Bikes laufen! Jetzt holen wir uns den Lohn für den Aufstieg und jagen die mühsam erkämpften Höhenmeter mit richtig Tempo wieder nach unten. Der Fahrtwind pfeift, das Brennen in den Schenkeln ist vergessen und die Reifen rollen perfekt über den Asphalt. Unser Grinsen ist breit, denn wir wissen, im Hotel wartet unsere Belohnung.
Regeneration pur
Jetzt heißt es: bewusster Genuss und totale Entschleunigung. Die hoteleigene Saunalandschaft im Poppengut ist nach so einem aktiven Tag genau das Richtige, um die müden Muskeln wieder weichzuklopfen. Ob zum Aufheizen in den zwei finnischen Saunen (darunter die urige Hüttensauna bei knackigen 85° C), im Duft-Dampfbad oder bei der heilenden Wirkung sanfter Temperaturen im Aromabad mit Farblichttherapie – hier schaltet der Kopf sofort auf Erholung um. Wer mag, holt sich die Extraportion Entspannung über die Infrarot-Tiefenwärme, schnappt sich ein Erfrischungsgetränk an der Saft-Bar oder einen Snack aus dem Apfelkorb. Da der Saunabereich direkt an den Innen- und Außenpool angeschlossen ist, springen wir danach noch ins Wasser und lassen uns in den Frischwasser-Whirlpools treiben. Nach Nebel- und Erlebnisdusche und ein bisschen Zeit in den Ruheräumen merkt man erst, wie die Lebensgeister zurückkehren. Ein genialer Kontrast zum rauen Berg – und der absolut perfekte Ausklang für ein echtes Abenteuer im Stodertal.
Extra-Tipp 1: Ein Abstecher in die Dr. Vogelgesang-Klamm
Falls noch Luft für ein echtes Highlight da ist… Gleich um die Ecke in Spital am Pyhrn wartet die längste begehbare Schlucht Oberösterreichs. Ein perfekter Kontrast zum weiten Stodertal.
Mittendrin im Wildwasser: Man wandert über gut 500 Holzstufen und Stege steil nach oben, während direkt unter den Füßen die Gischt an den Felsen hochschießt. Das Ganze ist absolut sicher ausgebaut, aber durch das tosende Wasser extrem beeindruckend.
Die Tour: Für den Weg durch die Klamm selbst braucht man etwa eine Stunde. Oben angekommen läuft man am besten weiter zur gemütlichen Bosruckhütte – dort schmeckt das verdiente Kaltgetränk gleich doppelt so gut, bevor es über den normalen Wanderweg wieder entspannt zurückgeht.
Gut zu wissen: Gerade im Hochsommer ist die Schlucht genial, weil es in der engen Felsspalte immer angenehm kühl und schattig bleibt. Wichtig sind eigentlich nur Schuhe mit gutem Profil, da die Holzstufen durch die Gischt logischerweise oft feucht sind.
Extra-Tipp 2: Abkühlen am wärmsten Gebirgssee
Wer nach den Touren im Tal noch einen richtig idyllischen Platz zum Runterkommen sucht, sollte rüber zum Gleinkersee fahren. Er liegt nur ein kurzes Stück entfernt in Richtung Windischgarsten und gilt als einer der wärmsten Bergseen Österreichs – perfekt also, um nach einem schweißtreibenden Tag im Toten Gebirge mal kurz reinzuspringen.
Das Flair: Der See liegt wunderschön eingebettet zwischen grünen Wiesen und steilen Felswänden. Man kann ihn auf einem leichten, schattigen Spaziergang in gut einer halben Stunde komplett umrunden.
Für Genießer: Am Ufer gibt es ein tolles Gasthaus mit schattigem Gastgarten und ein kleines Bootshaus, wo man sich Stand-up-Paddle-Boards oder Tretboote leihen kann. Ein absolut entspannter Kontrast zu den rauen Felsen oben am Berg.








