René Schudel
Helikopter, Gletscher, Käsefondue – Genuss mal anders
Schweiz / Als hätte er die ultimative Szene heraufbeschworen – René Schudel serviert uns auf über 3.200 Metern ein Käsefondue und spritzigen Weißwein und beschert uns damit einen sehr extravaganten Genuss und die Erinnerung unseres Lebens. Aber Gastgeber sein in der Natur, das kann er nun mal.
Autorin: Anja Buntz
Dabei ist ein Detail entscheidend und treibt das Erlebnis sprichwörtlich auf die Spitze: Der Gastronom selbst fliegt uns mit dem Helikopter auf die eisige Bergkuppe inmitten der Schweizer Bergwelt. Atemberaubend und spektakulär!
Wir treffen den charismatischen Schweizer in seiner Heimatgemeinde Unterseen. In seinem Restaurant Stadthaus packt er die letzten Utensilien zusammen, die es für einen Lunch auf dem Gletscher braucht. Die Gewissheit ist da: Wir dürfen hautnah miterleben, wenn der Genussmensch wieder einmal Geschichte schreibt.
Geschichten schreibt er nämlich viele oder lässt sie vielmehr vom Leben selbst schreiben. Auf ProSieben Schweiz kann man ihn mit seiner aktuellen Reihe „Schudel’s Food Stories“ sehen. Mitten im finnischen Wald auf offenem Feuer zu kochen, das ist der Stil der kulinarischen TV-Ikone. Yes, Abenteuer pur!
Unser Abenteuerlevel erreicht an diesem Tag neue Dimensionen. Allein die Fahrt zum Heliport verschlägt uns die Sprache. Von Unterseen führt uns der Weg durch Interlaken bis nach Lauterbrunnen, das zwischen imposanten Bergwänden liegt und an welchen sich Wasser hunderte Meter in die Tiefe stürzt – mehrmals! Überboten wird unser Staunen von Sprachlosigkeit, als wir den Standort von Air-Glaciers erreichen. Strahlend weiß-rot hebt sich der Heli vor einer surrealen Bergwelt und Kaiserwetter ab. Real ist das Erlebnis trotzdem.
Ein letzter Check und schon sind wir in der Luft und schrauben uns an einer der höchsten zusammenhängenden Bergwände der Welt hinauf, fliegen über die Bergstation der Jungfraubahn, schweben an der Eiger Nordwand vorbei und über einzelne Seilschaften hinweg. René steuert den Helikopter über und durch eine atemberaubende Szenerie und Gletscherwelt. Unser Ziel: ein Plateau auf dem Petersgrat.
René Schudel
Wenige Minuten nach der Landung erleben wir unseren Gastgeber in seinem Element. In der improvisierten und doch perfekten Gletscher-OpenAir-Küche arbeitet er am versprochenen Käsefondue. Fast beiläufig reicht er uns ein Glas Wein. Diese Situation können wir kaum einordnen. Ein Helikopter, ein Fernsehkoch, die Schweizer Berge, traumhaftes Kaiserwetter, Käsefondue, Weißwein und wir mittendrin.
Dabei fallen weitere Geschichten, wie etwa über seine temporäre Wahlheimat Ibiza, in der er sich regelmäßig wohl fühlt. Oder über den selbsternannten Auftrag, dem Küchennachwuchs die Welt zu zeigen und das Leben nahezubringen. Indem sie mit ihm „Raus aus der Komfortzone“ treten und ihren Berufsalltag aus einer gänzlich anderen Perspektive erfahren können. Kochen auf dem Festival, inmitten von Musik und Menschen. Das Ausloten der Fähigkeiten und Ausdehnen der Grenzen. Es geht für die jungen Talente der Branche um Erfahrung sammeln und das Erkennen der eigenen Begabung. Etwas, das dem engagierten Koch am Herzen liegt.
Dazwischen genießen wir den spritzigen, erfrischenden Silvaner. Und wir stoßen auf den Wettergott an, der an diesem Tag eine bleibende Erinnerung ermöglicht. Windstill ist es, der Himmel klar und die Sicht unendlich. Frei von Kälte und hoch über der Wochenroutine ist diese Mittagspause auf dem ewigen Eis unverschämt gut. Genussvoll selbstverständlich auch.
Schade, dass die Zeit drängt und wir den Bergrücken auf knapp 3.300 Meter über dem Meer wieder verlassen müssen. Aber so ist er eben auch, der Herr Schudel: gewissenhaft. Denn er hat sich verpflichtet, den Helikopter am Stützpunkt von Air-Glaciers pünktlich zu landen. Hier verzichtet er auf jeglichen Kompromiss und doch schafft er als leidenschaftlicher Pilot einen letzten Schwung auf den Äbeni Flue, einem „Fastviertausender“. Jeden glücklich zu machen, soweit es ihm möglich ist – eine weitere Passion.
Zurück im Stadthaus, Unterseen: Noch etwas mehr Zeit, die sich der Gastgeber nimmt, um uns sein Zuhause näherzubringen, wie auch über seine Pläne für die kommenden Tage zu sprechen. Großzügig, authentisch, nahbar und bodenständig, so dürfen wir René Schudel erleben. Der im Übrigen das Gletscher-Fondue mit jedem anderen genussfreudigen Besucher des Berner Oberlandes teilt.










