Winter, Wein und weite Pisten
In Südtirol wird verbunden, was zusammengehört
Südtirol / Die sonnenverwöhnte Seite der Alpen: Von gletscherbedeckten, hochalpinen Gipfeln bis in die Ebenen des Etschtals zeigt sich Südtirol facettenreich. Auf den Pisten, den Tellern – und nun auch im Glas.
Autor: Benni Häfner
In Südtirol dominieren landschaftliche Kontraste, wie sie stärker nicht sein könnten. Dieser Spagat findet sich ebenso in der Weinkultur des Landes, die sich von den Terrassenlagen im Vinschgau bis zu den warmen Böden des Südens zu einem vielfältigen Mosaik zusammenfügt. Besonders in der Winter- und Weihnachtszeit zeigt sich das Land von seiner stimmungsvollsten Seite – und seine Weine entfalten ihren ganz eigenen Zauber.
Edle Tropfen – nicht nur fürs Fest
Denn was zu dieser Jahreszeit in Südtirol ausgeschenkt wird, ist längst mehr als reine Tradition: Südtiroler Rotweine haben sich zum Sinnbild der Provinz entwickelt. Sie nehmen Genuss und Regionalität gleichermaßen ernst. Vollmundige Cuvées aus dem Süden, kraftvolle Lagreine aus den historischen Lagen rund um Bozen, elegante Blauburgunder wie aus der Lage Mazon oder die charmante Leichtigkeit des Vernatsch – sie alle erzählen vom Wechselspiel des Klimas, von der Vielfalt der Böden und der Sorgfalt der Winzer. Gerade die Cuvées aus Merlot und Cabernet Sauvignon, gereift in den wärmeren Zonen zwischen Margreid und Kurtatsch, gehören zu den festlichen Stars dieser Saison. Ihre Aromen von dunkler Schokolade, Cassis und Gewürznelken wirken wie geschaffen für lange Abende, für Braten und Wildgerichte, für Momente, in welchen man sich gerne etwas mehr Zeit gönnt.
Ganz anders, aber ebenso charakterstark: der Lagrein. Tiefdunkel im Glas, warm und samtig im Gaumen, ein Wein, der seine Wurzeln nicht verleugnet. Seine Fruchtigkeit, gepaart mit zart würzigen Nuancen, macht ihn zur idealen Begleitung winterlicher Klassiker – von geschmortem Fleisch bis zu gereiftem Käse. Und dann wäre da noch der Blauburgunder, jener feingliedrige Rotwein, der in Südtirol längst eine zweite Heimat gefunden hat. Mit seiner Eleganz passt er sich nahezu jedem Gang an, ohne zu sehr aufzutragen – ein stiller Begleiter, der dennoch Eindruck hinterlässt.
In der festlichen Runde darf außerdem der Vernatsch glänzen: lebendig, fruchtig, unkompliziert. Ein Wein, der die Leichtigkeit Südtirols atmet und das Miteinander in den Mittelpunkt stellt.
… ein stiller Begleiter, der dennoch Eindruck hinterlässt.
Sommeliers auf zwei Brettern
Diese enge Verknüpfung von Genuss, Landschaft und Kultur zeigt sich aber nicht nur auf dem Weihnachtstisch, sondern ebenso auf den Pisten – und das im wahrsten Sinne des Wortes. In Alta Badia, im Herzen der Dolomiten, beginnt die Skisaison längst nicht mehr nur mit frisch präparierten Pisten, sondern mit einer Idee, die so naheliegend wie innovativ ist: Skilehrerinnen und Skilehrer, traditionell erste Ansprechpartner für Gäste, werden zu Botschaftern der Südtiroler Weinkultur ausgebildet. Über hundert von ihnen erhielten in den Sommermonaten eine mehrtägige Schulung, organisiert vom Konsortium Südtirol Wein. Gelehrt werden die Grundlagen der Weinverkostung sowie die Unterschiede und Eigenschaften Südtiroler Weine.
Was zunächst ungewöhnlich klingt, fügt sich in Alta Badia auf überraschend natürliche Weise zusammen. Denn hier, wo die Hütten ohnehin zu den kulinarisch ambitioniertesten im Alpenraum zählen, ist Wein nicht einfach Begleitung, sondern Teil des Erlebnisses. „Für uns lag es nahe, die Wein- und die Ski-Welt Südtirols miteinander zu verknüpfen“, sagt Eduard Bernhart, Direktor des Konsortiums Südtirol Wein. Die Skilehrerinnen und Skilehrer tragen dieses Wissen nun weiter – erzählerisch, charmant und mitten im Schnee. Der Skiurlaub wird so um eine kulturelle Facette reicher.
Silber für Südtirol
Dass Südtirol seine Weinkultur mit ebenso viel Leidenschaft wie Professionalität pflegt, zeigt sich auch in der Publikation „Wein in Südtirol“, die 2024 mit dem Deutschen Kochbuchpreis in Silber ausgezeichnet wurde. Das Buch, vom Konsortium Südtirol Wein heraus
gegeben, ordnet die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte ein, verknüpft Historisches mit Gegenwärtigem und macht die komplexe Welt des Südtiroler Weinbaus auf erfrischend zugängliche Weise erlebbar. Die Auszeichnung ist mehr als nur ein symbolischer Erfolg: Sie zeigt, wie sehr die Region mit ihrer Offenheit und Qualität inzwischen auch im deutschsprachigen Raum wahrgenommen wird. Die erste Auflage verkauft sich so gut, dass bereits nachgedruckt wurde. Eine italienische Version ist 2025 erschienen.
Und wer wissen möchte, wie sich all das – Landschaft, Wein, Kulinarik – im Alltag der Berge anfühlt, sollte die Südtiroler Skihütten besuchen, die mit ihrem Angebot Maßstäbe setzen. Drei von ihnen tragen den Preis für Südtiroler Weinkultur: die Ütia Bioch, die Jimmi Hütte und die Daniel Hütte.
Viva!
Drei Hütten, jede mit eigenem Charakter, jeweils über der 2.000-Meter-Marke – und jede mit einer Weinkarte, die in der hochalpinen Umgebung überrascht. Die Ütia Bioch in Alta Badia überzeugt durch jahrgangstiefe Auswahl und den leidenschaftlichen Einsatz von Markus Valentini, der die Hütte zu einem lohnenswerten Ziel für Weinfreunde gemacht hat. Auch die Jimmi Hütte am Grödner Joch verführt mit Panorama und einer Weinkarte, die Südtirol ins Zentrum stellt. Und die Daniel Hütte an der Seceda beeindruckt mit rund 1.000 Etiketten – eine Sammlung, die man hier oben wohl kaum vermuten würde.
Drei Orte, die zeigen, wie eng Wein und Wintersport in Südtirol miteinander verwoben sind. Orte, an denen Weinkultur erlebbar gemacht wird. So entsteht ein Gesamtbild, das weit über edle Tropfen hinausgeht. Südtirol, das Land zwischen Gletschern und Apfelgärten, hat über die Jahre eine Weinkultur entwickelt, die alpinen Genuss Jahr für Jahr neu entdeckt: offen, qualitätsbewusst, tief verwurzelt und seit dieser Saison auch in Kombination mit Wintersport.










